In diesem Monat teilen wir unseren Marktkommentar in besonderer Form: als Gastbeitrag von Marco Rumpf bei DAS INVESTMENT. Im Fokus steht die Frage, warum die US-Börsen trotz Nahost-Konflikt, hoher Ölpreise und ausbleibender Zinssenkungen weiter Stärke zeigen. Die Antwort liegt vor allem in den deutlich besser als erwarteten Unternehmensgewinnen.

 

Das Investment vom 11.05.2026 | Gastkommentar von Marco Rumpf:

Ein Barrel WTI-Öl kostet fast 100 Dollar, die US-Wirtschaft schwächelt – trotzdem erreicht die Wall Street neue Rekorde. Für Marco Rumpf kein Widerspruch.

Die Straße von Hormus dominiert weiterhin die Schlagzeilen. Derzeit ist unklar, wie viele Schiffe die nur 34 Kilometer breite Meerenge zwischen dem Iran und Oman passieren. Die Angaben der USA und des Irans widersprechen sich. So oder so werden es nicht besonders viele Öltanker sein.

Eine Gallone Benzin kostet in den USA derzeit mehr als 4 Dollar – für amerikanische Verhältnisse ist das ausgesprochen viel. Und eine erste Billig-Airline musste aufgrund der rasant gestiegenen Kerosinpreise bereits den Flugbetrieb einstellen.

Gleichzeitig wuchs die US-Wirtschaft im ersten Quartal nur um 2 Prozent. Das war zwar spürbar mehr als im Schlussquartal des vergangenen Jahres, die Erwartungen der Volkswirte wurden jedoch nicht erfüllt. Sie hatten beim Bruttoinlandsprodukt ein Plus von 2,3 Prozent erwartet. Trotzdem notiert der S&P 500 auf Rekordniveau.

Dieser vermeintliche Widerspruch lässt sich erklären. Die Berichtssaison zum ersten Quartal des laufenden Jahres verläuft in den USA deutlich besser als von den Analysten erwartet. Bisher haben 89 Prozent der Unternehmen des S&P 500 ihre Ergebnisse für die ersten drei Monate veröffentlicht. Diese sind insgesamt sehr viel besser ausgefallen als prognostiziert.

Deutlich über dem historischen Durchschnitt

Von den Unternehmen, die ihre Zahlen bereits publiziert haben, haben 84 Prozent diePrognosen der Unternehmensanalysten übertroffen. Dass die US-Firmen besser als erwartet abschneiden, ist nicht ungewöhnlich. Das Ausmaß ist es schon. In den zurückliegenden fünf Jahren haben im Durchschnitt 78 Prozent der Unternehmen beimGewinn je Aktie die Erwartungen übertroffen. In den vergangenen zehn Jahren waren es„nur“ 76 Prozent.

Nicht nur die Zahl der Unternehmen, die die Prognosen schlagen, fällt ausgesprochen positiv aus, sondern auch das Ausmaß der Überraschungen. Die gemischte Gewinnwachstumsrate, also die tatsächlichen Ergebnisse von Unternehmen, die bereits berichtet haben, und die geschätzten Ergebnisse von Unternehmen, die noch keine Zahlenvorgelegt haben, lag zuletzt bei 27,7 Prozent. Ende März, als noch keine tatsächlichen Ergebnisse publiziert waren, sondern ausschließlich Prognosen, belief sich der Wert noch auf 13,1 Prozent. Die Gewinne der US-Unternehmen steigen also deutlich stärker alsursprünglich erwartet.

Vor allem die Unternehmen aus den Bereichen Telekommunikation und Nicht-Basiskonsumgüter erzielen deutlich höhere Gewinne als von den Analysten vorhergesagt. Auch die Branchen Rohstoffe, Finanzen und Industrie schneiden auffallend positiv ab. Das zeigt, dass nicht nur die großen amerikanischen Technologiekonzerne mit KI-Fantasie für das Gewinnmomentum sorgen, sondern mittlerweile der breite Markt. Von der digitalenRevolution profitieren eben nicht nur die Mag 7, sondern auch ein Unternehmen wie Caterpillar. Enttäuschend schneiden hingegen die Unternehmen aus dem Healthcare-Sektor ab.

Das Ende dieser extrem positiven Entwicklung ist noch nicht in Sicht. Die erwarteten Gewinnwachstumsraten für das zweite Quartal wurden zuletzt zum Teil deutlich nach oben revidiert. Am stärksten ist dies im Energiesektor der Fall. Hier erwartet der Markt für das zweite Quartal eine Gewinnsteigerung von fast 102 Prozent. Ende März lag das prognostizierte Plus noch bei etwas mehr als 45 Prozent. Dabei fällt auf, dass die Gewinnmarge im Energiesektor zuletzt leicht rückläufig war. Das erwartete Gewinnwachstum resultiert also nicht aus einer operativen Effizienzsteigerung, sondern aus einer massiv höheren Nachfrage.

Frühindikator signalisiert Wachstum

Es gibt noch eine weitere Entwicklung, die für die Wall Street positiv stimmt. Im Februar stieg der ISM-Einkaufsmanagerindex auf mehr als 50 Punkte, was auf Wachstum hindeutet. Jetzt signalisieren extrem hohe Investitionen in Halbleiter auf einen weiteren Anstieg des Frühindikators auf über 60 Punkte. Das spricht für ein extrem starkes Wirtschaftswachstum der USA.

Ein Manko gibt es derzeit jedoch dennoch: Die Fed wird dieses Jahr wohl nicht mehr die Zinsen senken. Dagegen sprechen die (zu) hohe Inflation und der robuste Arbeitsmarkt. Dafür ist vor den Midterms mit fiskalischen Stimuli zu rechnen.

Die Bären führen immer wieder an, die Wall Street sei sehr hoch bewertet. Auf den ersten Blick mag das stimmen. Doch die US-Unternehmen rechtfertigen diese Bewertungen mit ihrer starken Gewinndynamik immer wieder. Insgesamt lässt das ein weiteres gutes Aktienjahr in den USA erwarten – trotz des Konflikts im Nahen Osten.

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