Das Investment vom 10.03.2026 | Gastkommentar von Marco Rumpf:

Derzeit bestimmt der Krieg der USA und Israels gegen den Iran die Schlagzeilen. US-Präsident Donald Trump dürfte jedoch an einem schnellen Ende interessiert sein, meint Marco Rumpf.

Der Krieg im Nahen Osten lässt die Volatilität an den Aktienmärkten steigen und setzt die Kurse unter Druck. Das dürfte Trump kaum gefallen. Denn die Amerikaner achten viel mehr als beispielsweise die Deutschen auf die Stimmung an der Wall Street, da sie insgesamt stärker in Aktien investiert sind. Fallen die Kurse, sinkt ihr Vermögen.

Bereits vor Ausbruch des Kriegs waren rund 60 Prozent der US-Bürger mit ihrer wirtschaftlichen Situation unzufrieden. Damit droht dem Präsidenten, die Zwischenwahlen im November zu verlieren. Dann könnte der Kongress ihn in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit ausbremsen. Aktuell liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg der Demokraten bei 44 Prozent, während ein Sieg der Republikaner mit nur 17 Prozent von polymarket.com erwartet wird.

Umfragewerte für die Midterms in den USA. Bildquelle: Polymarket.com, Stand 9.3.2026

Umfragewerte für die Midterms in den USA. Bildquelle: Polymarket.com, Stand 9.3.2026

Trump wird daher alles dafür unternehmen, die Stimmung unter den amerikanischen Verbrauchern zu verbessern, um die knappen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus zu behalten.

Vor diesem Hintergrund sind verschiedene Maßnahmen zu erwarten. Auch wenn Trump sich bislang vage ausdrückt, dürfte er den Irankrieg schnell beenden wollen. Im Gegensatz zu Israel verfolgen die USA im Iran keine sicherheitspolitischen Interessen. Wahrscheinlich geht es in erster Linie ums Öl.

Gelingt es, ein gemäßigteres Regime an die Macht zu bringen, könnte dieses eine freundlichere Politik gegenüber den USA verfolgen. Dann könnte der Iran seine Ölquellen wieder verstärkt für den Weltmarkt öffnen. Das erklärt auch, warum die Amerikaner die Ölquellen und Raffinerien im Iran bisher verschont haben. Die Festnahme des ehemaligen venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro hat bereits gezeigt, wie stark Trump den Einfluss auf ausländische Ölvorkommen ausweiten möchte. Das Ziel besteht darin, das weltweite Angebot zu erhöhen, um den Benzinpreis an den amerikanischen Tankstellen zu senken und somit die Stimmung von Joe Sixpack, dem amerikanischer Otto Normalverbraucher, zu verbessern.

In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass sich Russland im Irankrieg bislang auffällig zurückhält. Es wäre kaum überraschend, wenn die USA dafür ihre Sanktionen wieder lockern würden. Dadurch könnte möglicherweise wieder mehr russisches Öl auf den Weltmarkt gelangen.

Wenn Trump tatsächlich schnell den Irankrieg wieder beendet, kann er sich wieder voll auf Innenpolitik konzentrieren. Hier wird er voraussichtlich auf eine deutliche Ausweitung der Liquidität und niedrigere Zinsen drängen. Beide bestimmen zum überwiegenden Teil die Entwicklung an den Aktienmärkten.

Mehr Geld für das Finanzsystem 

Die erste Stellschraube, die der republikanischen Regierung zur Verfügung steht, ist der Treasury General Account (TGA). Dabei handelt es sich um das Hauptkonto des US-Finanzministeriums bei der Federal Reserve. Aufgrund des Ausgabenstopps während des sechswöchigen Shutdowns im vergangenen Jahr hat dieses Konto ein historisch hohes Niveau von circa 900 Milliarden Dollar erreicht. Ein Abbau dieser Bestände würde beträchtliche Liquidität in das Finanzsystem zurückführen.

Gleichzeitig haben die US-Bankenaufsichten eine Anpassung der sogenannten Supplementary Leverage Ratio (SLR) beschlossen, die im April 2026 in Kraft tritt. Die Reform reduziert die Kapitalanforderungen für große Banken leicht und soll verhindern, dass die Leverage-Regel Banken davon abhält, US-Staatsanleihen zu halten oder als Intermediäre im Treasury-Markt zu agieren. Dadurch könnte die Aufnahmefähigkeit und Liquidität des Anleihemarktes zusätzlich gestärkt werden.

Historisch betrachtet reagieren wachstumsorientierte Segmente besonders positiv auf verbesserte Liquiditätsbedingungen. Das gilt neben dem Aktienmarkt auch für den Kryptomarkt, der erfahrungsgemäß stark von den globalen Geldströmen beeinflusst wird.

Niedrigere Leitzinsen 

Die zweite Stellschraube, an der Trump mit Sicherheit drehen wird, ist die Zinspolitik der Fed. Im Mai tritt Kevin Warsh die Nachfolge von Jerome Powell an. Dieser hatte sich zuletzt weiteren Zinssenkungen widersetzt, zu denen Trump drängt. Das dürfte sich unter Warsh ändern. Zusätzlich haben die Terminmärkte für US-Geldmarktzinsen zuletzt deutlich gedreht. Während Investoren zuvor länger hohe Zinsen erwartet hatten, spiegeln die Preise inzwischen die Aussicht auf einen tieferen Zinssenkungszyklus in den kommenden Jahren wider.

Auch der amerikanische Finanzminister Scott Bessent rechnet offenbar fest mit niedrigeren Zinsen. Derzeit gibt er fast ausschließlich kurz laufende Staatsanleihen aus. Er geht wohl davon aus, dass er diese in naher Zukunft günstiger refinanzieren kann.

Der Spielraum für eine weitere Lockerung der US-Geldpolitik ist durchaus vorhanden. So ist der Verbraucherpreisindex im Januar auf 2,4 Prozent gesunken. Im Dezember hatte die Inflation noch bei 2,7 Prozent gelegen. Damit ist die Teuerung nicht mehr weit vom Zwei-Prozent-Ziel der Fed entfernt. Sollte der Ölpreis tatsächlich wieder sinken, wäre ein weiterer Rückgang der Teuerungsrate die absehbare Folge. Der Arbeitsmarkt lieferte ebenfalls ein weiteres Signal der Abschwächung. Die am Freitag veröffentlichten Non-Farm-Payrolls blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück: Statt der erwarteten 126.000 neu geschaffenen Stellen wurde ein Rückgang der Beschäftigung um 92.000 Stellen gemeldet.

Ein nachlassender Arbeitsmarkt in Kombination mit einer sich abkühlenden Inflation eröffnet der US-Notenbank im Rahmen ihres Doppelmandats zusätzlichen Spielraum für Zinssenkungen. Niedrigere Zinsen könnten wiederum dazu beitragen, die wirtschaftliche Dynamik zu stabilisieren und neues Wachstum zu unterstützen.

Auch wenn Trump nicht nur in Deutschland sehr unbeliebt ist, wäre sein Sieg bei den Midterms aus Anlegersicht durchaus wünschenswert. Die Wall Street würde das wahrscheinlich honorieren.

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