Das Investment vom 22.12.2025 | Gastkommentar von Marco Rumpf:

Steuererleichterungen, sinkende Zinsen und billiges Öl stärken die Kaufkraft der US-Konsumenten. DRH-Geschäftsführer Marco Rumpf erklärt bei DAS INVESTMENT, warum das die Börse beflügelt.

Es wird oft behauptet, dass von Trumps Steuerpolitik vor allem Vermögende profitieren. Das stimmt jedoch nicht ganz. Auch für mittlere und geringere Einkommen gibt es spürbare Erleichterungen. So sind beispielsweise ab 2026 Trinkgelder von der Steuer befreit. Das ist besonders für das Gastgewerbe von Bedeutung. Auch für Überstunden sind künftig keine Steuern zu zahlen, was einen Anreiz zur Mehrarbeit bietet. Das ist angesichts des Fachkräftemangels in den USA ein wichtiger Punkt.

Außerdem gelten ab dem Jahreswechsel niedrigere Steuern auf Sozialversicherungsleistungen. Vor allem die Babyboomer, von denen jährlich mehr als eine Million in Rente gehen, profitieren davon. Schließlich wird der sogenannte Salt-Abzug von 10.000 auf 20.000 US-Dollar verdoppelt, wobei es um staatliche und lokale Steuern geht.

Mehr Kaufkraft ab 2026

Die Maßnahmen werden sich spürbar auf das Einkommen vieler Millionen Amerikaner auswirken. Ohne diese Steuererleichterungen würde das nominale verfügbare persönliche Einkommen (DPI) im Jahr 2026 um 4 Prozent wachsen. Mit den Erleichterungen wird ein Wachstum von 10 Prozent erwartet. Das reale verfügbare persönliche Einkommen (RPDI) wird voraussichtlich um etwa 8 Prozent pro Jahr steigen, wodurch den Verbrauchern ab dem Beginn des neuen Jahres mehr Kaufkraft zur Verfügung steht.

Neben den Steuererleichterungen Trumps profitieren die amerikanischen Konsumenten auch vom gesunkenen Ölpreis. So ist die Sorte WTI auf Sicht eines Jahres um rund 18 Prozent gesunken. Dadurch wird für die amerikanischen Verbraucher die Fahrt zur Tankstelle spürbar günstiger.

Weitere Lockerung der Geldpolitik

Die US-Notenbank Fed hat die Leitzinsen 2025 bereits dreimal gesenkt. Spätestens ab Mai, wenn die Amtszeit des bisherigen Fed-Chefs Jerome Powell ausläuft, ist mit weiteren Zinsschritten zu rechnen. Als wahrscheinlichster Nachfolger Powells gilt Kevin A. Hassett, dicht gefolgt von Christopher J. Waller. Beide sind der Ansicht, dass niedrigere Zinssätze das reale Wachstum und die Produktivität fördern und dadurch die Inflation niedrig halten. Niedrigere Zinsen verbilligen für Unternehmen die Fremdfinanzierung und für Privatpersonen Kredite und Hypothekendarlehen beim Kauf einer Immobilie.

Die gängige Annahme, dass Wachstum gleichzeitig auch Inflation bedeutet, ist falsch. Historisch gesehen sinkt die Teuerung, wenn das reale Wachstum anzieht. Hauptsächlich, weil die Produktivität steigt. Neue Technologien wie künstliche Intelligenz (KI), Blockchain, Energiespeicherung und Multi-omics-Sequenzierung wirken stark deflationär.

Die Produktivitätssteigerung liegt derzeit bei etwa 2 Prozent pro Jahr, was historisch betrachtet hoch ist. Es ist jedoch zu erwarten, dass sie 2026 auf 4 bis 5 Prozent steigen und dort gehalten werden könnte, was einen echten Durchbruch bedeuten würde.

Deutliche Impulse für die US-Wirtschaft

In den kommenden Monaten wird die US-Konjunktur noch von anderer Seite Unterstützung erfahren. Die effektive Körperschaftssteuer beläuft sich in den USA auf 10 Prozent. Damit ist sie die niedrigste in der entwickelten Welt. Das zieht Investitionen an und ist ein Grund für das Anziehen der Kapitalausgaben. Auch die rekordtiefen Unternehmenssteuern sind der Fiskalpolitik Trumps zu verdanken.

Gleichzeitig wird die Fed die Zinsen nicht nur weiter senken, sondern den Finanzmärkten auch keine Liquidität mehr entziehen. Die US-Notenbank hat ihre quantitative Straffung (Quantitative Tightening, QT) bereits zum 1. Dezember beendet, wodurch dem System effektiv 30 bis 35 Milliarden Us-Dollar pro Monat hinzugefügt werden.

Hinzu kommt die erwartete Auflösung des Treasury General Account (TGA), in dem sich während des Regierungsstillstands 350 Milliarden US-Dollar angesammelt hatten. Das wird ebenfalls Liquidität in das System zurückführen und die Entwicklung der Liquidität ziemlich dramatisch umkehren.

Die Kapitalausgaben haben sich bereits entschieden gedreht und beschleunigen sich wieder. Das ist ein weiterer wichtiger Hinweis darauf, dass die Steuerpolitik Trumps funktioniert. Vor allem KI treibt die Ausgaben an, wobei die Investitionen in Rechenzentren nicht mehr nur auf KI beschränkt sind. Kapitalausgaben sind einer der größten Multiplikatoren in der Wirtschaft.

Richtungswechsel bei Immobilien

Noch einmal zurück zum amerikanischen Konsumenten. Der Wohnungsmarkt hat sich bislang sehr schwach entwickelt, könnte jedoch 2026 eine der positiven Überraschungen des Jahres werden. Die Erschwinglichkeit von Immobilien wird signifikant steigen, da die Hypothekenzinsen – auch dank der Politik der Fed – sinken werden. Sie sind bereits um 80 Basispunkte gefallen.

Gleichzeitig werden die Preise für Neubauten voraussichtlich nachgeben. Die Lagerbestände an Neubauten sind sehr hoch – fast so hoch wie vor der Finanzkrise. Dies wird die Bauherren wahrscheinlich dazu veranlassen, die Preise zu senken, um an der nächsten Bau-Welle teilzunehmen. Da Mieten und Wohnkosten 40 Prozent der Teuerung (CPI) ausmachen, wird dies die Inflationsindikatoren in den nächsten Jahren entscheidend beeinflussen.

Ein zusätzlicher Unterstützungsfaktor kommt aus dem Ausland. Das US-Handelsdefizit ist festgefahren. Chinas riesiger Handelsüberschuss von 100 Milliarden US-Dollar pro Monat wird als Zeichen einer schwachen Binnenwirtschaft in China und als deflationärer Unterstrom interpretiert. Dieser wird in den Rest der Welt exportiert, direkt und auf Umwegen auch in die USA. Das wirkt ebenfalls inflationshemmend, erhöht den Spielraum der Fed und kommt der realen Kaufkraft der Konsumenten zugute.

Die Aussichten für die amerikanischen Verbraucher – und damit auch für die Wall Street – sind deutlich besser als vielfach eingeschätzt.

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