Das Investment vom 27.10.2025 | Gastkommentar von Marco Rumpf:

Marco Rumpf ist seit 1998 als geschäftsführender Gesellschafter bei der DRH Vermögensverwaltung GmbH tätig. Dort verantwortet der Bankkaufmann und Bankfachwirt die Bereiche Risikomanagement, Portfoliomanagement sowie die strategische Unternehmensführung.

Der S&P 500 befindet sich weiter auf Rekordkurs. Marco Rumpf von der DRH Vermögensverwaltung ist überzeugt, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird.

Das größte Risiko für die amerikanischen Aktienmärkte stellen wahrscheinlich die hohen und weiter wachsenden Staatsschulden dar. Diese beliefen sich zuletzt auf rund 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und werden im laufenden Fiskaljahr voraussichtlich um weitere 7,5 Prozentpunkte steigen. Finanzminister Scott Bessent muss mittlerweile mehr als 1,2 Billionen Dollar allein für die Zinszahlungen aufbringen – und das pro Jahr.

Das Misstrauen der Anleger gegenüber dem wachsenden Schuldenberg Washingtons zeigt sich am Dollar. Dieser hat seit Jahresbeginn zwölf Prozent gegenüber dem Euro abgewertet. Für Anleger aus dem Euroraum bedeutet dies, dass die Kursgewinne an der Wall Street durch die Abwertung des Dollars fast vollständig aufgezehrt werden.

Aus Sicht der amerikanischen Unternehmen sieht diese Entwicklung jedoch ganz anders aus. Die Unternehmen des S&P 500 erzielen 41 Prozent ihrer Umsätze außerhalb der USA. Im IT-Sektor sind es sogar 55 Prozent. Ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit im Ausland steigt. Und bei der Umrechnung von im Ausland erzielten Gewinnen in Dollar wirkt die Abwertung wie ein Turbo.

Haushaltsverhandlungen keine große Belastung 

Dass der Shutdown mit rund 900.000 staatlichen Mitarbeitern, die in unbezahlten Urlaub geschickt wurden, keine tieferen Spuren an den Aktienmärkten hinterlässt, ist eigentlich nicht überraschend. Schließlich haben sich Demokraten und Republikaner in der Vergangenheit immer spätestens nach ein paar Wochen auf einen neuen Haushalt geeinigt, so auch während der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump.

Bleiben noch die hohen Bewertungen der amerikanischen Aktiengesellschaften. Diese liegen tatsächlich deutlich über dem historischen Durchschnitt. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Bewertungsmaßstäbe herkömmlicher Industrieunternehmen für Tech-Werte mit KI-Fantasie einfach nicht passen. Das liegt zum einen an ihrem hohen Wachstum. Zum anderen spiegeln die Bilanzen immer weniger immaterielle Vermögenswerte wider. Geistiges Eigentum wie Patente oder Kundenlisten lassen sich nur zu einem kleinen Teil bilanziell aktivieren. Dieser Umstand relativiert die auf den ersten Blick hohen Bewertungsniveaus signifikant.

KI wird das Wachstum boostern 

Noch entscheidender ist jedoch, dass die Menschen am Anfang einer Entwicklung stehen, die alle Lebensbereiche verändern wird. Vor diesem Hintergrund vergleichen Anleger KI gerne mit dem Internet vor 25 Jahren. Auch das World Wide Web ist schließlich in alle Lebensbereiche der Menschen vorgedrungen. Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied. Der Markt war damals extrem fragmentiert und die meisten der entsprechenden Unternehmen schrieben tiefrote Zahlen.

Heute sind es einige wenige riesige amerikanische Tech-Konzerne, die die Entwicklung von KI vorantreiben. Und diese verdienen fantastisch. Die Mag 7 haben im zweiten Quartal 2025 ihre Gewinne trotz milliardenschwerer KI-Investitionen um 26,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesteigert. Damit haben sie die Prognosen fast aller Unternehmensanalysten übertroffen. Zum Vergleich: Die übrigen 493 Unternehmen des S&P 500 haben ihre Profite im selben Zeitraum „nur” um 8,1 Prozent erhöht.

Vor diesem Hintergrund ist KI eher mit der Einführung der Elektrizität als mit der des Internets zu vergleichen. Als sich diese ab den 1880er Jahren verbreitete, beschleunigte sich das jährliche Wachstum des weltweiten BIP von 0,7 auf 3,4 Prozent. Heute sind durch das Zusammenspiel von KI mit Automatisierung und Robotik erneut enorme Produktivitätsgewinne zu erwarten. Ein weltweites Wirtschaftswachstum von sechs Prozent pro Jahr ist daher durchaus denkbar.

Immer mehr Papiergeld 

Hinzu kommt noch das hohe Wachstum der Geldmenge. Allein von 2020 bis 2024 ist die M2-Geldmenge in den USA von etwas mehr als 53.000 auf fast 63.000 Dollar pro Kopf gestiegen. Diese Entwicklung überlagert die Probleme, die der Shutdown oder der immer wieder hochkochende Handelskonflikt zwischen den USA und China mit sich bringen. Von der wachsenden Geldmenge profitiert auch der breite Aktienmarkt, den der Russel 2000 repräsentiert.

Wie stark das Gelddrucken die Aktienkurse nach oben treibt, zeigen folgende Zahlen. Hätte eine Anleger im Jahr 1974 nur 1.000 Dollar in US-Aktien investiert, wäre das Depot 2024 gut 341.000 Dollar wert gewesen. Bereinigt um die Inflation wären es dagegen nur etwas mehr als 56.000 Dollar gewesen. Schließlich hat die Fed mit ihrer ersten Zinssenkung Mitte September signalisiert, dass sich die Phase hohen Zinsen dem Ende neigt.

Es kann durchaus sein, dass die zunehmende Schuldenproblematik, der Shutdown, das angespannte Verhältnis zu China oder Probleme einiger Regionalbanken die derzeit niedrige Volatilität wieder steigen lassen. Der KI-Boom und die wachsende Geldmenge werden jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit dafür sorgen, dass die Aktienkurse an der Wall Street in sechs Monaten höher stehen als heute.

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